Mit Omikron und Co auf (Winter)-freizeit?

WAS? Ihr wollt WIRKLICH fahren? Solche und ähnlich Aussagen höre ich aktuell immer häufiger. Manchmal sind es fragende, manchmal erstaunte Augenpaare, die mich anblicken.  Und JA – wir wollen fahren!

In den letzten 22 Monaten hatte es die Jugendarbeit als „außerschulischer Bildungsort“ nicht leicht. Die unterschiedlichen Definitionsansätze haben vermitteln, das im Prinzip eine hohe Uneinigkeit darüber besteht, wie Gruppen, die keine Schulklasse sind, zu verstehen sind. An dieser Stelle sei angemerkt, Bildung wird per se mit Schule in Verbindung gebracht und das ist ein defizitäres Bildungsverständnis.

Diese Akzeptanz der Reduzierung des Bildungsbegriffes gepaart mit den weiteren Unsicherheiten führt letztlich dazu, das Angebote unter Vorbehalt angeboten werden, um sie kurzfristig wieder abzusagen können. Aus Sicht der Veranstalter nachvollziehbar, wer möchte sich schon sehendes Auges in Schwierigkeiten bringen. Unterstützt wird dieser Umstand aktuell nun auch, dass auf Empfehlung der bay. Landesregierung bis Ostern 2022 sämtliche Klassenfahrten storniert werden.

In der vergangenen 22 Monaten haben wir nur punktuell Freizeiten angeboten. Natürlich waren diese für die Teams nicht so entspannt wie vor der Pandemie.

Doch das, was wir mit den Teilnehmenden in Josefstal, am Krummweiher oder auch beim Grundkurs erlebt haben, hat uns gezeigt: wir müssen raus, wir müssen Kindern und Jugendlichen, deren Eltern eine Teilnahme für ihre Kinder und Jugendlichen verantworten können und die die Bereitschaft mitbringen, die bestehenden Auflagen einzuhalten, die Möglichkeit der außerschulische Begegnung, der außerschulischen Bildung, anbieten.

Der Austausch, das Gemeinschaftserlebnis, die Gespräche, die Andachten, die Tischgemeinschaft, das gemeinsame Anpacken, die verbindenden Erlebnisse sind lebensnotwendige Erfahrungen, die dieser Zielgruppe nicht länger vorenthalten werden darf. Diese Erfahrungen und Erlebnisse sind ähnlich dringend wie ein Schulbesuch, um sich entwickeln zu können.

Deutlicher als je zuvor hat diese Pandemie zum Ausdruck gebracht: der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Was diese biblische Aussage in ihrer Tiefe bedeutet, verstehen alle, die sich nach monatelanger sozialer Distanz an die erste Begegnung mit nahestehenden Menschen erinnern. Das Gefühl der Nähe, des Vertrauens, der face-to-face Austausch, die Möglichkeit des sich Anlehnens können kann durch kein digitales Medium ersetzt werden. Jeder Mensch benötigt ein Gegenüber um zu spüren, dass es ihn, dass es sie gibt.

Deshalb wollen wir es wagen und fahren.

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